19/20 Jan 2022: Erdbebenserie im Gouvernorat Gafsa [M2.40-3.10]

Die Erdbeben-Überwachungsstationen des Meteorologischen Instituts Tunesien (INM) haben am Mittwoch und Donnerstag, den 19/20 Jan 2022 eine kleine Erdbebenserie im Gouvernorat Gafsa aufgezeichnet. Die Beben ereigneten sich nahe El Guettar zwischen 23.50 Uhr und 00.06 Uhr lokaler Zeit. Die Beben hatten Stäreken zwischen M2.40 und M3.10. Die Beben konnten von Bewohnern der Region verspürt werden.

Die Beben im Einzelnen:

  • 19.01.2022, 23:50 Uhr: 2.8 Nordöstlich El Guettar
  • 19.01.2022, 23:55 Uhr: 2.9 Östlich El Guettar
  • 20.01.2022, 00:01 Uhr: 3.1 Östlich El Guettar
  • 20.01.2022, 00:05 Uhr: 2.4 Östlich El Guettar

Analysen der seismologischen Stationen des INM ergaben, dass das Epizentrum des Bebens auf 34,33° nördlicher Breite und 8,99° östlicher  Länge lag. Bereits am 16 Januar hatte sich nahe El Guettar ein Erdbeben der Stärke M3.10 ereignet.

Die Daten in der Zusammenfassung

  • Magnitude: M 2.40 bis M3.10
  • Tiefe (km): 10 km
  • Region: Bei El Guettar, Gouvernorat Gafsa
  • Datum/Zeit: 19 Jan 2022 | 23.50 & 23.55 Uhr Ortszeit (UTC+1) – 20 Jan 2022 | 00.01 & 0.005 Uhr Ortszeit (UTC+1)
  • Epizentrum: 34.33° Nord ; 8.99° Ost

Städte und Orte in der Nähe

  • El Guettar

Info: El Guettar ist eine Kleinstadt (municipalité) im Zentrum Tunesiens mit rund 15.000 Einwohnern. Sie liegt südlich des Djebel Orbata in einer Höhe von etwa 240 bis 250 m ü. d. M. Die Entfernung zur nordwestlich gelegenen Provinzhauptstadt Gafsa beträgt ca. 20 km (Fahrtstrecke). Die Bevölkerung besteht zum überwiegenden Teil aus in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aus den umliegenden Bergregionen zugewanderten Berbern; Umgangssprache ist jedoch meist arabisch.
El Guettar war und ist eine Oasensiedlung mit einer Vielzahl von Dattelpalmen, Pistazien-, Oliven- und Granatapfelbäumen inmitten von kleinen Parzellen, auf denen vorwiegend Gemüse (Bohnen, Erbsen, Zwiebeln) angebaut werden; Wasser gibt es – abgesehen von den winterlichen Regenfällen – nur in Form von Grundwasser, welches aus ca. 50 m Tiefe hochgepumpt werden muss. In früheren Zeiten wurde die Oase hauptsächlich durch unterirdisch verlaufende Kanäle (foggaras) mit Wasser versorgt; einige davon sind noch erhalten. In der Umgebung werden Phosphate abgebaut, die zu Düngemitteln weiterverarbeitet werden.
Bei einer seit langem versiegten Quelle nahe El Guettar wurde in den 1950er Jahren ein vor etwa 30.000 bis 40.000 Jahren im Moustérien oder Atérien errichteter etwa 75 cm hoher Hügel aus runden Steinen sowie Silexsplittern und Tierknochen entdeckt, der in Fachkreisen unter der Bezeichnung Hermaion von El Guettar bekannt wurde und heute in einer Vitrine des Bardo-Museums von Tunis gezeigt wird. Man interpretiert ihn als eine – in ihrer Art einzigartige – prähistorische Kultstätte. Weitere Funde wie Feuersteinmesser, Pfeilspitzen, Schaber etc. stammen aus späterer Zeit.
Während des Zweiten Weltkrieges fand bei der Stadt am 23. März 1943 eine Schlacht zwischen Heereseinheiten George Pattons und Hans-Jürgen von Arnims statt.

Quelle & Grafik: Meteorologisches Institut Tunesien (INM)

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