Globaler Klima-Risiko-Index 2019 – Tunesien auf dem 136. Platz

Die deutsche Umwelt- und Entwicklungsorganisation GermanWatch hat in Kattowitz, Polen den jährlichen Klima-Risiko-Index (KRI) für das Jahr 2019 veröffentlicht, der zeigt, wie stark Länder von Wetterextremen wie Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen etc. betroffen sind. Untersucht werden die menschlichen Auswirkungen (Todesopfer) sowie die direkten ökonomischen Verluste. Tunesien belegt in Bezug auf das Klimarisiko den 136. Platz von über 180 Ländern.

Der durchschnittliche wirtschaftliche Verlust in Tunesien, der mit diesen Risiken verbunden ist, wird auf 66,040 Millionen Dollar geschätzt (Tunesien liegt damit auf Platz 96). Tunesien ist diesem Bericht zufolge besser positioniert als viele andere Länder, einschließlich der Inselstaaten und armen Länder, die von einer zunehmenden Intensität der Stürme betroffen sind. Der durchschnittliche Verlust in Bezug auf die Wachstumspunkte (BIP) wird auf 0,071 geschätzt, das Land liegt damit auf Platz 116.

Als Datenbasis für den Klima-Risiko-Index dient die weltweit anerkannte Datenbank NatCatSERVICE der Munich RE, unter Einbezug weiterer demographischer (Bevölkerungszahl) und wirtschaftlicher Daten (Bruttoinlandsprodukt) des Internationalen Währungsfonds. Germanwatch veröffentlicht den KRI jährlich und in diesem Jahr zum 14. Mal. Im KRI 2019 sind die Extremwetterereignisse des Jahres 2017 und für den Zeitraum 1998 bis 2017 erfasst.

Wenngleich die Auswertungen über die Schäden und Todesopfer keine Aussage darüber erlauben, welchen Einfluss der Klimawandel bereits bei diesen Ereignissen hatte, so lässt sich doch ein Bild der Verwundbarkeit der Staaten zeichnen. Dies kann als Warnsignal verstanden werden, sich auf zukünftig möglicherweise vermehrte und stärkere Extremwetterereignisse durch Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel besser vorbereiten zu müssen.

Die Hauptaussagen des KRI 2019 sind:

  • Puerto Rico, Sri Lanka und Dominica waren im Jahr 2017 am stärksten von Extremwetterereignissen betroffen.
  • Im Zeitraum zwischen 1998 und 2017 waren Puerto Rico, Honduras und Myanmar die am stärksten betroffenen Länder.
  • Insgesamt kamen zwischen 1998 und 2017 mehr als 526 000 Menschen als direkte Konsequenz von über 11 500 Extremwetterereignissen zu Tode. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf etwa 3,47 Billionen US$ (in Kaufkraftparitäten).
  • Stürme und ihre direkten Auswirkungen – Niederschläge, Überschwemmungen und Erdrutsche – waren 2017 eine Hauptursache für Schäden.
  • Von den zehn am stärksten betroffenen Ländern im Jahr 2017 wurden vier von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben einen klaren Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den rekordverdächtigen Niederschlägen der Hurrikane 2017 gefunden. Sie deuten auch darauf hin, dass die Zahl der schweren tropischen Wirbelstürme mit jedem Zehntel Grad globaler Erderwärmung zunehmen wird.
  • In einigen Fällen haben einzelne außergewöhnliche Katastrophen so starke Auswirkungen, dass die betroffenen Länder allein dadurch auch im Langzeitindex dauerhaft weit oben platziert sind. In den letzten Jahren hat eine weitere Kategorie von Ländern an Bedeutung gewonnen: Länder wie Haiti, die Philippinen und Pakistan werden immer wieder von Katastrophen heimgesucht. Sie gehören sowohl im Langzeitindex als auch im Index des jeweiligen Jahres kontinuierlich zu den am stärksten betroffenen Ländern.
  • Von den zehn am stärksten betroffenen Ländern (1998-2017) waren acht Entwicklungsländer der Ländergruppe mit niedrigem oder niedrigem mittleren Einkommen, eines wurde als Land mit hohem mittleren Einkommen (Dominica) und eines als fortgeschrittene Wirtschaft mit hohem Ein-kommen (Puerto Rico) eingestuft.
  • Der Klimagipfel in Katowice (COP24) muss die Entwicklung des sogenannten „Regelwerks“ zur Umsetzung des Pariser Abkommens abschließen, einschließlich des globalen Anpassungsziels und der Kommunikationsleitlinien für die Anpassung. Darüber hinaus muss die COP24 ihre Anstrengungen verstärken, um Schäden und Verluste angemessen zu adressieren. Bisher wird der Umgang mit Schäden und Verlusten zwar als Querschnittsthema in verschiedenen Verhandlungssträngen erwähnt, es besteht jedoch die Gefahr, dass er aus dem endgültigen Verhandlungstext gestrichen wird. Die Risiken zukünftiger klimabedingter Schäden und Verluste sind jedoch viel zu hoch, um sie als Verhandlungsmasse zu instrumentalisieren.

Eine Zusammenfassung des Klima-Risiko-Indexes in deutscher Sprache können Sie als .pdf-Dokument hier einsehen bzw. downloaden. Der kompletten Bericht mit allen Tabellen und Grafiken in englischer Sprache können Sie hier downloaden.

Germanwatch e. V. ist ein 1991 gegründeter, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und einem Büro in Berlin. Die Entwicklungs- und Umweltorganisation engagiert sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt von Lebensgrundlagen. Dabei konzentriert sich der Verein auf Politik und Wirtschaft der Länder des globalen Nordens und setzt sich für Gerechtigkeit für die Menschen des globalen Südens ein.

Quelle & Titelbild: GermanWatch