Die Entstehung des heutigen Mittelmeeres

Das Mittelmeer entstand im Laufe der Jahrmillionen zweimal. Vor 5,6 Mio Jahren trocknete das Mittelmeer aufgrund tektonischer Verschiebungen und einer Eiszeit vollkommen aus. Das Mittelmeer, wie wir es heute kennen, wurde vor rund 5,3 Mio Jahren wiedergeboren.

Vor rund 150 Millionen Jahren zerbrach der Superkontinent Pangäa in verschiedene Teile. Der entstandene afrikanische Kontinent bewegte sich nordwärts und stieß gegen Europa. Die beiden Kontinente umschlossen einen Meeresbereich, das Mittelmeerbecken. Der Zugang zum Mittelmeer war am Anfang im Westen und im Osten geöffnet. Im Laufe der Jahrmillionen rückte der Kontinent Afrika aber immer weiter nordwärts vor, so dass sich vor rund 5,6 Millionen Jahren die letzte Verbindung zum Atlantik, die Straße von Gibraltar, schloss. Begünstigt wurde dieser Vorgang durch eine Eiszeit, die den Wasserspiegel der Ozeane um rund 50 Meter sinken ließ.

Vom Zufluss von Frischwasser aus dem Atlantischen Ozean abgeschnitten verdunstete das Mittelmeer im Laufe weniger zehntausend Jahre vollständig. Die wenigen Zuflüsse, bestehend aus Nil, Rhone, Po und Ebro vermochten nicht, die Verdunstung des Meeres aufzuhalten. Es blieb eine unwirtliche, versalzene Einöde zurück, unterbrochen von den Flussoasen der vorgenannten Flüsse. Dieser Vorgang wurde von den späteren Forschern und Geologen “Messinische Salinitätskrise” genannt.

Schon damals war der Mittelmeerraum ein tektonisch hochaktives Gebiet. Durch das fehlende Gewicht der Wassermassen, immerhin rund 4,6 Millionen Kubikkilometer, erhöhte sich die vulkanische Aktivität stark. Es vergingen rund 170.000 Jahre, in denen der Zahn der Zeit, tektonische Aktivität und weitere Verschiebungen der Erdplatten an dem verschlossenen Zugang bei Gibraltar nagten. Der Boden des Mittelmeerbeckens lag etwa 1.500 bis 2.700 Meter unterhalb des atlantischen Meeresspiegels und schließlich kam es, wie es kommen musste: Der Atlantische Ozean schwappte über die immer schwächer werdende Schwelle zum Mittelmeer.

Rekonstruktion der Wiederbefüllung des Mittelmeers: Über eine lange und breite Rampe strömten damals große Mengen an atlantischem Salzwasser in das ausgetrocknete Mittelmeerbecken

© Roger Pibernat under supervision of Daniel Garcia-Castellanos / Messinian Mediterranean and Gibraltar – reconstructed landscape / CC BY-SA 3.0 (CC BY-SA)

Zunächst war es ein Rinnsal an Salzwasser, dass Richtung Mittelmeer sickerte. Im Laufe von einigen tausend Jahren wurde die Barriere immer mehr abgetragen und die Menge des in das Mittelmeer fließende Wasser und somit die Strömung stieg an. Dann war es soweit: Die Reste der Barriere konnten der Strömung nicht mehr standhalten. Eine Flut an Wasser ergoss sich ins Mittelmeer, auf dem Höhepunkt flossen rund 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde bei Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 140 Kilometern pro Stunde durch die Straße von Gibraltar. Der Wasserspiegel stieg fortan um 10 Meter/Tag an, innerhalb von 2 Jahren, so schätzen die Forscher, war das Mittelmeer wieder gefüllt.

Zuerst füllte sich das westliche Mittelmeer. Die verhältnismäßig hoch gelegene Staße von Sizilien zwischen Sizilien und Tunesien war ein weiteres Hindernis für das Wasser. So floss das Wasser durch die schmale, aber tiefe Straße von Messina zwischen der Insel Sizilien und der italienischen Halbinsel in das östliche Mittelmeer.

Die Vorstellung eines Wasserfalls bei Gibraltar, wie es oft vermittelt wird, ist allerdings den Mythen zuzurechnen. Den Geologen zufolge soll das Wasser über eine breite, sanft geneigte Rampe vom Atlantik in das Mittelmeer geflossen sein.

Nach der Rückkehr des Mittelmeeres war dann alles anders: Das Klima änderte sich von einem kontinentalen Steppenklima mit heißen, trockenen Sommern und kalten, trockenen Wintern zu einem milden mediterranen Klima, dass sich bis weit in den Osten hineinzog. In Mitteleuropa wurde es wieder feuchter und die Temperaturen zwischen den Jahreszeiten glichen sich an. Nadelwälder und Grasländer zogen sich in die Gebirge oder weiter nach Osten zurück.

Heute hebt sich die Straße von Gibraltar wieder, das ist anhand des verminderten Zuflusses von Atlantikwasser und deshalb ansteigenden Salzgehalts des Mittelmeerwassers messbar. Allerdings wird es wieder Millionen Jahre dauern, bis sich die Straße wieder geschlossen hat.

Quellen: Mit Material von Spektrum der Wissenschaft & Wikipedia.de

Foto: Ausgetrocknetes Mittelmeer: De PaubahiTrabajo propio, CC BY-SA 3.0, Enlace

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